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Prinz Felipe wird König von Spanien

Juan Carlos gab Abdankung bekannt: Sein Sohn wird Nachfolger

bpb-Korrespondent B. John Zavrel

 

Vater und Sohn in stolzer Pose bei einem offiziellen Anlass. König Juan Crlos I. und Kronprinz Felipe (Mitte) salutieren bei einer Parade. Neben Felipe steht seine Ehefrau Prinzessin Letizia, die aus einer bürgerlichen Familie stammt

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Madrid/New York (bpb) Neuer König von Spanien wird Prinz Felipe, Fürst von Asturien. Sein 76-Jähriger königlicher Vater Juan Carlos hat am 2. Juni 2014 seine baldige Abdankung bekanntgegeben lassen. Somit ist der Weg frei für seinen Sohn aus der Ehe mit der deutschstämmigen Prinzessin Sofia. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat die Entscheidung des Königs in dessen Auftrag öffentlich verkündet. Nach einer erforderlichen Gesetzesänderung solle Prinz Felipe baldmöglichst gekrönt werden.

Die Nachricht hat in Europa bei den Fans von Royals allgemeine Zustimmung ausgelöst. Ebenso erfülle es US-Amerikaner spanischer Herkunft mit Freude, dass Spanien weiterhin zu den nur noch wenigen Monarchien der Welt gehört, heißt es in der Gesellschaft. Dabei wird auf die historischen Beziehungen verwiesen, die Spanien bei der Entdeckung des heutigen Amerika durch Christoph Kolumbus (1451-1506) bewirkte, dem italienischen Seefahrer im Dienste der spanischen Krone.

König Juan Carlos gibt für seine Entscheidung „persönliche Gründe" an und meint offensichtlich seinen angeschlagenen Gesundheitszustand. In den letzten Jahren berichteten die Medien immer wieder von Stürzen und Krankenhausaufenthalten. Dazu gehören auch Operationen wie beispielsweise an der Hüfte. Dabei wird bekanntlich von Prominenten und Politikern jeweils nur das allernötigste über deren Gesundheitszustand öffentlich bekanntgegeben. Hinzu kommen beim scheidenden König Meldungen über sein nicht mit dem katholischen Glauben konformes Privatleben.

König Juan Carlos hatte im November 1975 den Thron bestiegen. Er hat nach Ansicht von Historikern einen wichtigen Beitrag zur Demokratisierung des Landes geleistet und war im Volk die meiste Zeit sehr beliebt. Dennoch geht er in die Geschichte ein als „König von Francos Gnaden" ein. Darüber spricht man verständlicherweise nicht gerne.

Francisco Franco (1892-1975), war ein spanischer General und Diktator. Nach einem Staatsstreich von 1936 und Bürgerkrieg regierte Franco das Land von 1939 bis zu seinem Tod als Staatschef von Spanien autoritär. Ernst nach dem Zweiten Weltkrieg führte Franco 1946 in Spanien die Monarchie ohne König ein. Er selbst ernannte sich zum „Regent des Königreichs Spanien". Um das Volks zu beruhigen und der Erste im Land zu bleiben, entschied sich der in Spanien als El Caudillo („Der Führer")genannte Alleinherrscher, dass Junge Juan Carlos de Borbón, ein Enkel des Königs Alfons XIII., künftiger König von Spanien werden müsse. Gegen diese im Adel umstrittene Entscheidung war auch Spaniens Öffentlichkeit und die Politik machtlos. Franco ließ den jungen Prinzen vom Anfang an auf Staatskosten bestens ausbilden und für Führungsaufgaben schulen.

 

Neuer König ist gut vorbereitet

Der neue König mit seinen 45 Jahren ist nach Ansicht der spanischen Regierung gut vorbereitet auf die neue Verantwortung. "Er ist eine solide Garantie dafür, dass er bei der Ausübung seines Amts als Staatschef die Erwartungen erfüllen wird", sagte Ministerpräsident Rajoy. "Davon bin ich fest überzeugt."

Um 13 Uhr wandte sich Juan Carlos am Montag (2. Juni 2014) selbst an das spanische Volk. Er betonte, dass er versucht habe, „König aller Spaniern zu sein". Der gealterte Monarch fügt hinzu: „Ich will das Beste für Spanien, ich habe dem Land mein ganzes Leben gewidmet." Es sei nun aber an der Zeit, dass eine jüngere Generation ins Rampenlicht trete. „Prinz Felipe hat die nötige Reife für das Amt, er verkörpert Stabilität", sagt der der König. Er verhielt sich in dieser sicher nicht leichten Stunde des Abschiednehmens, wie wohl jeder gute Vater reagiert hätte über seinen erwachsenen Sohn zu sprechen, der ihm niemals Ärger oder Schande gemacht hatte.

Felipe selbst ist im Interesse des Erhalts der Krone Jahrzehnte lang auf seine Zukunftsaufgabe vorbereitet worden. Er hat große Erfahrung in öffentlichen Angelegenheiten und gilt als charakterlich gut geeignet. Außerdem interessiert er sich für Soziales, Kultur und Kunst, was für ein Kulturvolk wie Spanien einen hohen Stellenwert hat. „Der Prinz hat sein Herz nicht auf der Zunge", wird in diplomatischen Kreisen positiv vermerkt. Er sei zurückhaltend. Der Kronprinz soll künftig als König Felipe regieren. Er hat in Madrid Jura studiert und in den USA einen Master in Internationalen Beziehungen gemacht. Zudem ist er Offizier des Heeres, der Luftwaffe und der Marine.

 

Auch in königlichen Familien fällt ein Generationenwechsel nicht leicht. Die Kinder werden erwachsen und auf die Eltern kommt die meist doch schmerzhafte Entscheidung zu: langsam los lassen und an den Ruhestand zu denken. Das Foto zeigt König Juan Carlos und seine Ehefrau Königin Sofia mit ernsten Gesichtern sowie den Kronprinzen und die 41-jährige Prinzessin Letitzia (links). In Kürze wird sie als Ehefrau den Titel Königin tragen. Für Fans der Royals klingt das wie in einem Märchen.

Foto: press-pool

 

Deutsches Blut auf Spaniens Thron

Mit einem König Felipe setzt sich die Tradition fort, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder die Einheirat deutschstämmiger Adeliger in das spanische Königshaus brachte. So ist Kronprinz Felipe ein Ur-Ur-Enkel des letzten deutschen Kaisers. Seine Großmutter mütterlicherseits ist die verstorbene ehemalige griechische Königin Friderike. Ihre Mutter wiederum war Prinzessin Viktoria Luise von Preußen und Großmeisterin des Alexander-Ordens, Tochter des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II.

Prinz Felipe nahm schon in jungen Jahren protokollbewusst und diszipliniert n offizielle Repräsentationsaufgaben für das Königshaus wahr. Er hat in seiner Eigenschaft als Kronprinz von Spanien bisher nur einen offiziellen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland gemacht. Das war 1991 in der Amtszeit von Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Prinz Felipe kam zur Eröffnung einer repräsentativen Dalí-Ausstellung in das Museum Europäische Kunst Schloss Nörvenich bei Köln. Der deutsche Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, der sich sehr für den EU-Beitritt Spaniens engagierte, begleitete dabei den Staatsgast. Bereits 1982 war Felipes Vater König Juan Carlos I. in der Region, als er in Aachen (NRW) den internationalen Europäischen Karlspreis entgegen nahm.

 

(Bericht vom 2. Juni 2014)

 

 

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PROMETHEUS, Internet Bulletin for Art, News, Politics and Science, Nr. 202, June 2014