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Dr. HAN, Yi

Gesetzlicher Tierschutz im Deutschen Reich

Ein Wissenschaftler aus China schrieb ungewöhnliche Dr.-Arbeit in Deutschland

Von bpb-Korrespondent Joe F. Bodenstein

 

Buch-Umschlag der Dr.-Arbeit über den Tierschutz in Deutschland. Der Chinesische Autor Yi HAN recherchierte fleißig und gewissenhaft drei Jahre lang über den Zeitraum von 1871 bis 1945 (einschließlich der NS-Zeit). Das 577 Seiten umfassende Buch ist eine bisher einmalige Publikation und wissenschaftliche Leistung. Ihre Entstehung ist zugleich ein sehr positives Beispiel deutsch-chinesischer Beziehungen und guter persönlicher Freundschaften.

Foto: Gaby Fey, Plakat des Reichstierschutzbundes

 

 

Berlin/Peking (bpb) Eine ungewöhnliche, aber wichtige Dr.-Arbeit hat der chinesische Rechtswissenschaftler Yi HAN verfasst mit dem Titel: „Gesetzlicher Tierschutz im Deutschen Reich". Die zum Jahresende 2013 der Universität Köln vorgelegte Arbeit behandelt jene Gesetze, die von 1871 bis 1945 erlassen wurden, um „die Tierwelt oder Teile derselben vor Übeln zu schützen".

Eingehend erörtert werden in der Dissertation auch das Reichstierschutzgesetz (RTierSchG) der NS-Zeit und seine Folgegesetze, deren tierfreundlichen Passagen als Vorlage für die Tierschutzgesetzgebung in mehreren Ländern dienten.

Der Autor ist mit seinen jahrelangen Recherchen in der Bundesrepublik in der Tradition der Wissenschaftler zu sehen, die sich dem Thema Tierschutz unter verschiedenen Aspekten angenommen haben. Dabei hatten es die Forscher nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1945 mit dem Tabu-Thema "Tierschutzgesetze in Deutschland" nicht leicht. Als ein wichtiger Grund ist anzuführen: Die „Verstrickung von Natur- und Tierschutz mit dem Nationalsozialismus."

Dass das Thema Tierschutz in Deutschland häufig im Zusammenhang mit der Politik der NS-Zeit erörtert wird, belegt der Autor u.a. mit dem Hinweis auf den Juristen Prof. Dr. Günther Erbel (Bonn). Er hatte 1986 in seiner Abhandlung „Rechtsschutz für Tiere: eine Bestandsaufnahme anlässlich der Novellierung des Tierschutzgesetzes " dem Reichstierschutzgesetz (RTierSchG) vom 24. November 1933 eine halbseitige Darstellung eingeräumt. Erbel betonte: „Es gehört zu den Paradoxien der deutschen Verfassungs- und Rechtsgeschichte, dass dieses für damalige Verhältnisse bahnbrechende, eine hohe Tierethik und große Tierachtung widerspiegelnde Gesetz ausgerechnet im nationalsozialistischen Staat geboren wurde, dessen Machthaber dem menschlichen Leben und den Menschenrechten so wenig Respekt bezeugten

 

Buch in limitierter Auflage erschienen

Die 577 Seiten umfassende Doktorarbeit ist eine bisher einmalige Publikation dieser Art zu dem im zivilisierten Europa die Menschen bewegenden Thema Tierschutz. Der Deutsche Bundestag in Berlin, alle Länderparlamente und vor allem die Partei Die Grünen befassen sich immer wieder kontrovers mit der Problematik. Ständige Mahner sind auch Bürgerinitiativen in allen Bundesländern. Sie fordern vor allem Verbesserungen bei der Massentierhaltung in „Hühnerfarmen" und in Mastbetrieben aller Art.

Die Europäische Kulturstiftung (Deutschland), Schloss Nörvenich (in 52388 Nörvenich, NRW) , hat die Fachpublikation von Dr. Yi HAN in die Stiftungsbibliothek aufgenommen. Das 2014 publizierte Buch ist in einer limitierten Auflage erschienen und kann über die deutsche Fachbuchhandlung der EKS (Telefon 0228 &endash; 65 12 08) bezogen werden.

Die Dissertation ist 2014 bei der Peter Lang GmbH in Frankfurt am Main erschienen, dem „Internationalen Verlag der Wissenschaften". Der Druck erfolgte mit Unterstützung der "Ostchinesischen Universität für Politik und Rechtswissenschaft zum Aufbau eines Nationalforschungsschwerpunktes für Rechtsgeschichte" in Shanghai und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Bonn. Dem DAAD ist Dr. Han ebenfalls sehr verbunden. Er schreibt im Vorwort des Buches: „Ein besonderer Dank gilt dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD, ohne dessen Stipendium ich eine Promotion in Deutschland niemals hätte leisten können". Er dankte ferner „allen, die mir bei der Bewerbung unmittelbare Hilfe beziehungsweise unentbehrliche Unterstützung gewährten: Herrn Liu Jianbo, Herrn Professor Dr. Sui Xueli, Herrn Dr. Marco Haase, Frau Li Dongni, Pangpang Duoduo und Diandian und allen anderen".

 

Freunde in Deutschland gefunden

In Deutschland hat sich Dr. Yi HAN während seines Europa-Aufenthaltes einen großen Bekannten- und Freundeskreis geschaffen. Beachtlich ist sein umfassendes Detailwissen über deutsche Geschichte, Kultur und Brauchtum. Als Stipendiat in Deutschland erlernte der chinesische Student sogar die schwierige Deutsche Sütterlinschrift, die der Grafiker Ludwig Sütterlin (1865 bis 1917) entwickelte und ab 1915 in Preußen eingeführt worden war. Sie wurde jedoch im Laufe der Jahrzehnte durch Antiqua-Schriften abgelöst und gilt heute noch „als früher typische Deutsche Volksschrift"

 

Who is Who ?

Dr. HAN, Yi ist Privatdozent der Ostchinesischen Universität für Politik- und Rechtswissenschaft in Shanghai, Songjiang, Longyuan-Lu 555, PLZ. 201620. (E-Mail: hanyi33@hotmail.com ) Er studierte ab 2001 Jura in Peking und erhielt dort das Diplom der China Universität für Politik und Rechtswissenschaft. Nach dem Magisterabschluss in Hamburg und Promotion an der Universität Köln lehrt er seit 2014 in Shanghai.

 

(4.4.2014)

 

 

 

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